Das Tal des Flusses Abava im Landesinneren von Kurland ist durch das Schmelzwasser von Gletschern entstanden. Im Naturpark wachsen mehr als 50 geschützte Pflanzenarten. Das Tal ist eine abwechslungsreiche Landschaft mit den Stromschnellen der Abava, Höhlen, Dolomitfelsen sowie den Wasserfällen von Īvande und dem Čužu-Moor am Ufer der Imula.
Die Stadt Kandava gilt als Tor zum Naturpark Abava und hat eine recht gut erhaltene historische Altstadt. Das auffälligste Zeugnis vorchristlicher Kultur ist der grasbewachsene Schlossberg nördlich der Altstadt. Kandava war vor Ankunft des Deutschen Ordens die Hauptstadt des kurischen Fürstentums Vanema. Im Stadtmuseum sind noch einzelne Reste dieser Kultur zu sehen. Am Rand der Altstadt liegt noch als letzter Rest der Ordensburg ein fast quadratischer, überdachter Pulverturm mit zwei Meter dicken Mauern. Quer durch die Gassen der Altstadt erreicht man den Pestberg. Er erinnert an die Pestepidemie, die dem Nordischen Krieg folgte. In der evangelisch-lutherischen Kirche sind eine barocke Kanzel und das Altarbild „Kreuzigung Christi“ von Karl Arnoldi zu sehen. Das Wahrzeichen Kandavas ist die Brücke über die Abava. Sie wurde 1873 gebaut und ist die älteste Steinbrücke Lettlands.
Südlich von Kandava befindet sich der Naturpark Čužu-Moor mit dem einzigen natürlichen Vorkommen des Fingerstrauchs (lett.: čuža) in Lettland. Seit 1927 steht das Gebiet unter Naturschutz.
Viel schöner ist das Flusstal jedoch etwa 8 Kilometer weiter stadtauswärts in Richtung Sabile. An der Flussmündung der Imula und der Amula, die parallel verlaufen beginnt ein 10 Kilometer langer Wanderweg, an dem ein Wasserfall, eine Wassermühle, ein Schlossberg und die Überreste eines Gutshofs liegen. Es gibt den Findling Velnakmens (Teufelsstein) und eine Höhle (Teufelshöhle). In der Teufelshöhle kann man mit viel Glück und Licht versteinerte Panzerfische entdecken.
Eine schöne Beschreibung von Imula und Amula, den beiden Nebenflüssen der Abava, findet sich im Reisebericht „Kurzemīte“ (1970) von Imants Ziedonis (1933–2013): „Märchenhaft sind die Landschaften der kleinen Imula und Amula, wie eine Miniatur, göttlich und fast unglaubwürdig. Am besten kommt man zur Imula und Amula im Frühling, wenn alles blüht, oder im Herbst, wenn die Augen staunen.“
Etwas weiter in Richtung Sabile liegt der Hügel Zviedru cepure (Schwedenhut) mit Sommerrodelbahn und Skipiste.
In Sabile erhebt sich seit dem 14. Jahrhundert der nördlichste Weinberg der Welt. Die Vielzahl der unterschiedlichen Rebsorten ist erstaunlich. Direkt neben dem Weinberg gibt es einen zweiten Berg, auf dem in vorchristlicher Zeit eine kurische Burg stand. Heute befindet sich da oben ein Aussichtspunkt, von dem aus die dank des fruchtbaren Moränenbodens sehr agrarisch geprägte Gegend gut zu überblicken ist. Im historischen Stadtzentrum steht die Synagoge der Stadt, die 1890 erbaut wurde und der jüdischen Gemeinde bis 1941 als Gotteshaus diente. Eine Besonderheit der kleinen Stadt ist der hohe Bevölkerungsanteil an Roma, die gut in die Gesellschaft integriert sind.
Am südlichen Stadtrand Sabiles befindet sich auf dem ehemaligen Gutshof Pedvāle ein Freilichtmuseum für Skulpturen moderner Kunst. Ojārs Feldbergs (1947) gründete 1992 dieses Museum, in dem internationale Symposien zu Land Art und anderen Themen stattfinden. 1999 erhielt das Freilichtmuseum den Melina-Mercouri-Preis der UNESCO für den Schutz und Bewirtschaftung der Kulturlandschaft.
In Pedvāle ist auch das Gut Fircks-Pedwahlen aus dem 18. Jahrhundert mit einer schönen Parkanlage und einigen Nebengebäuden zu besichtigen.
Das Tal der Abava ist nördlich von Sabile besonders schön: Etwa fünf Kilometer stadtauswärts erreicht man die Abavas rumba, etwa zwei Meter hohe Stromschnellen. Ein Wasserfall fließt hier über das Dolomitgestein. Die Abava windet sich hier mehrere Kilometer lang durch unbewohnte Gebiete und waldreiche Landschaften. An den Flussufern wachsen viele Eichenwälder, aber auch dichte Kiefernwälder.
Kurz vor dem kleinen Ort Renda befinden sich die legendenumwobenen Höhlen 'Die Kammern von Māra‘ (Māras kambari). Es ist ein Höhlensystem unweit vom Gutshof Kaleši, das sich im Sandstein am rechten Ufer der Abava herausgebildet hat.
In Renda, früher ein Zentrum des kurischen Staats Vanema, heute ein kleiner und stiller Ort, führt eine steinerne Brücke über die Abava, es befinden sich hier das Landgut von Lielrenda, eine kleine Kirche, die alte Grabanlage Teufelsboot (Velna laiva) neben der Abava und der Wasserfall des Flüsschens Īvande.
Der Fluss Abava mündet in die Venta. Etwas oberhalb der Mündung liegt an der Venta das besonders schöne Kuldīga mit seiner faszinierenden Altstadt und dem breitesten Wasserfall in Europa.
Das Tal der Abava bildet seit dem Jahr 1999 den Naturpark 'Abava-Urstromtal‘. Das Territorium zwischen Kandava und Renda gehört seit 1957 zum Naturschutzprogramm. 2005 wurde das Tal der Abava in das Netz Natura 2000 der Europäischen Union aufgenommen.
Ilze Plaude